Luminosity Masken (Luminanzmasken) Workflow mit TKActions in Deutsch

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Luminosity Masken (Luminanzmasken) Workflow in der Praxis

 

Vorwort

Tony Kuyper hat mit den “TKActions” und dem einfachen Erstellen von Luminanzmasken das Bearbeiten von Bildern für viele Fotografen neu definiert und anderen damit geholfen ein neues Niveau zu erreichen. Meine Arbeiten haben stark von dem Workflow und den Möglichkeiten die sich mit den TKActions ergeben profitiert.

Nachdem ich die Actions nun ein paar Jahre selber erfolgreich eingesetzt habe, haben Tony Kuyper und ich uns dazu entschlossen, die TKActions und dazugehörigen Anleitungen in die deutsche Sprache zu übersetzen. Viele der Anleitungen und Begriffe in den englischsprachigen Tutorials sind komplex und erfordern ein gutes Hintergrundwissen über die Funktionsweise in Photoshop sowie der englischen Sprache. Durch diese Kooperation hoffen wir die TK Actions einem bereiterem Publikum zugänglich zu machen. Die deutsche Version des benutzerdefinierten TK Aktionen Bedienfeldes (TKActions Panels) ist exklusiv über meine sowie Tony’s Webseite erhältlich. Tony wird jedoch nicht in der Lage sein Support für deutschsprachige Käufer bzw. das deutschsprachige Panel zu geben.

Luminosity Masken (Luminanzmasken) haben mir auf viele verschiedene Arten ein völlig neues Arbeiten mit Fotos ermöglicht. Ich war nicht mehr auf die Bearbeitungsmöglichkeiten mit Adobe Lightroom oder meinen einfachen Photoshopmasken beschränkt, welche mühsam und zeitaufwendig waren, sondern kann jetzt die volle Kraft von Photoshop ausschöpfen. Einige Leute bezeichnen die Technik des Überblendens mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) als “HDR”, andere als “manuelles Blenden” oder “Erweiterung des Dynamikbereiches”. Jeder dieser Begriffe ist zutreffend und ich werde wahrscheinlich in meinen Anleitungen alle drei gebrauchen. Der Teil des Überblendens trifft jedoch nur auf einen Teil meiner Bilder zu. Die meisten resultieren aus einer einfachen RAW Datei sowie der Verwendung von Luminosity Masken (Luminanzmasken). In dieser ersten Anleitung zum Workflow mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) stelle ich das Erweitern des Dynamikbereiches mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) anhand einer einfachen RAW Datei vor. In einer weiteren Anleitung wird ebenfalls das komplexere Thema des Überblendens von mehreren Bilder mit Hilfe von Luminosity Masken (Luminanzmasken) erklärt. Auch hier gilt:  viele Wege führen nach Rom. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg und ich ermutige dazu mit verschiedenen Arten der Entwicklung zu experimentieren und herauszufinden, welcher am besten für jeden Einzelnen funktioniert. Luminosity Masken (Luminanzmasken) geben mir den größten kreativen Gestaltungsspielraum aller Nachbearbeitungsmöglichkeiten und geben einem die Möglichkeit seinen eigenen Stil zu entwickeln und zu verfeinern. Luminosity Masken (Luminanzmasken) sind komplex und brauchen Zeit und Mühe, um erlernt zu werden. Sie sind aber für mich zu einem wesentlichen Bestandteil meines Workflows geworden, um die bestmögliche Qualität aus meinen Bilder für den Druck und die Darstellung im Web zu erhalten. Genauso wie auch das Aufnehmen der Bilder selbst, ist das Arbeiten mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) für mich ein Teil des kreativen Prozesses,  die wahre Szene wieder herzustellen, wie es selbst die besten DSLR Kameras heute noch nicht können. Als Vergleich: ich arbeite derzeit mit einer Nikon D800, welche eine der höchsten Dynamikbereiche von 14-15 Stopps hat. Das menschliche Auge hingegen kann 24 Stopps wahrnehmen. Egal wie gut die Kamera oder Objektive sind, Fotografien werden nie wiedergeben können, was wir mit dem menschlichen Auge sehen. Mit dieser Anleitung will ich dabei helfen, den Dynamikbereich von Bildern mit Hilfe von Luminosity Masken (Luminanzmasken) in einem nicht-Pixel-berührenden Workflow zu erhöhen. Fangen wir damit an was man alles braucht:

Vorraussetzungen

Kamera + Objektiv

Das Equipment macht in den meisten Fällen keinen riesigen Unterschied. Am besten wäre jedoch eine DSLR, die eine “bracketing” Funktion hat (Bracketing = Aufnahme mehrerer unterschiedlicher Belichtungen der gleichen Szene), wenn als Ziel das Überblenden mehrerer Bilder verfolgt wird. Professionelle Kameras, wie die Nikon D800 oder Canon 5D Mark III können bis zu neun unterschiedliche Belichtungen aufnehmen, ohne dabei für jede Belichtung die Kamera wieder neu einzustellen. Andere Kameras können nur bis zu drei “Brackets” aufnehmen. Auch wenn nur eine Kamera ohne bracketing zur Verfügung steht, so können immer noch durch das manuelle Einstellen und Ändern der Belichtung unterschiedliche Belichtungen aufgenommen werden. Am wichtigsten ist, dass die Kamera in der Lage ist, Fotos im RAW Format aufzunehmen. RAW Dateien sind, anders als JPEGs, wie Rohdaten zu verstehen. Ein JPEG wird bereits von der Kamera umgewandelt, um das Bild am Monitor sehen zu können. Für RAW Dateien wird in der Regel ein spezielles Programm wieh Adobe Lightroom, Adobe Camera RAW oder Adobe Photoshop benötigt. RAW Dateien sind dafür gedacht, verarbeitet zu werden. Sie müssen sogar bearbeitet werden, um gedruckt oder im Internet dargestellt werden zu können. Genauso wie ein rohes (raw) Steak gebraten werden muss, um genießbar zu sein, so müssen auch RAW Dateien verarbeitet werden. Wie beim Steak, sollte man beim Entwickeln von Fotos aufpassen, dass es man nicht zu lange brät und eine Anpassung auf die andere legt, bis das es ungenießbar wird. Anfänger tendieren dazu alle Tools anwenden zu wollen. Was auf den ersten Blick noch gut aussieht, gefällt einem oftmals später nicht mehr. Ich spreche hier aus Erfahrung und habe mich oft gefragt, was ich mir nur dabei gedacht habe, als ich das Bild ein Jahr später erneut gesehen habe. Mit der Zeit habe ich gelernt, die mir zur Verfügung stehenden Tools nur im geringen Maße und sehr zielgerichtet einzusetzen. So wenig wie möglich – so viel wie nötig. Das Arbeiten mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) hat mir dabei geholfen meinen eigenen Stil zu entwickeln und meine Bilder wesentlich zielgerichteter zu bearbeiten und meine Vision durchscheinen zu lassen. In den Anleitungen werdet ihr Bilder von mir sehen, die mit einer Nikon D60, Nikon D7000 oder Nikon D800 aufgenommen wurden.

Stativ

Ein gutes Stativ ist ein wesentlicher Bestandteil der Landschaftsfotografie, besonders für Bilder, die später noch manuell überblendet werden sollen. 80% – 90% meiner Bilder werden mit der Kamera auf dem Tripod geschossen. Momentan setze ich einen Induro AT-114 ein, es kann aber selbstverständlich jede beliebige Marke sein. Empfehlen kann ich Marken wie Induro, Gitzo, Really Right Stuff (RRS) und Manfrotto, da ich diese Produkte bereits selber ausprobieren durfte. Wichtig bei der Auswahl ist, dass man selber und die Kamera gut mit dem Stativ zurechtkommt, ohne dazu eine Bank ausrauben zu müssen. Trotzdem empfehle ich, besonders beim Stativ, nicht das Günstigste zu kaufen. Es gibt nicht Frustrierendes als nach Hause zu kommen und festzustellen, dass die Fotos verschwommen sind, nur weil sich das Stativ leicht im Wind bewegt hat.

Fernauslöser

Nicht zwingend notwendig, aber sehr hilfreich. Mit einem Fernauslöser (mit oder ohne Kabel – seit ich meinen kabellosen Fernauslöser früh morgens im See versenkt habe, bevorzuge ich Fernauslöser mit Kabel) vermeidet man verwackelte Bilder, in dem man die Kamera während des Auslösens oder zwischen mehreren Belichtungen nicht berühren muss. Falls kein Fernauslöser zur Hand sein sollte, so tut es in aller Regel auch der self-timer der Kamera. Wer es auf die Spitze treiben und andere beeindrucken will, setzt zudem noch den “Mirror-up” Modus ein ;-). Mirror-up ist ein separates Hochklappen des Spiegels, bevor die Kamera auslöst. Ehrlich gesagt habe ich noch nie einen wirklichen Unterschied feststellen können.

Adobe Photoshop

Welche Photoshop Version mit dem TK Aktionen Bedienfeld funktioniert, wird detailliert im “Anleitungen” PDF beschrieben. Im Prinzip alles von CS5 aufwärts.

Tony Kuyper’s Aktionen

Die deutsche Fassung der TKActions ist exklusiv und nur über diese und Tony’s website erhältlich. Die englische Version der TKActions ist hier erhältlich.  Sollte zudem Interesse an den hervorragenden (englischen) Videos von  Sean Bagshaws Interesse bestehen so können diese zusammen mit dem Aktionen zu einem reduzierten Preis erworben werden. Sprecht dazu mich oder Tony einfach nach dem Kauf der TKActions an. Die Installation der TKActions wird detailliert im “Anleitungen” PDF beschrieben. Im Weiteren beziehe ich mich auf Adobe Lightroom 5, was bei mir der Ausgangspunkt für jeden weiteren Bearbeitungsschritt ist. Genauso gut kann aber auch Adobe Camera RAW verwendet werden. Zuerst importiere ich die Bilder in meinen Katalog. Nach einer Vorauswahl der weiter zu bearbeitenden Bilder, benutze ich das “Lens Correction” Werkzeug, um chromatische Aberrationen, sowie Verzerrungen zu korrigieren. Anschließend erfolgt schon der Rechtsklick auf das Bild und ich fahre mit der Auswahl “Bearbeiten…/Öffne in Photoshop CC 2014” fort. Ausgehend vom Computer und der Dateigröße kann dies einen Moment dauern. Sobald Photoshop und das Bild geöffnet sind, sieht man am unteren Ende des Fensters bereits, dass sich die Dateigröße verdreifacht hat. Durch den Importprozess in Photoshop wird aus der RAW Datei eine TIFF Datei erstellt (abhängig von der Einstellung in Lightroom kann es auch eine PSD Datei sein). Bevor wir mit dem Bearbeiten des Bildes anfangen, sollte überlegt werden, was überhaupt mit der Bearbeitung erreicht werden soll. Was ist das Ziel? Wie ist der eigener Stil oder wie soll der eigene Stil aussehen? Für mich kann ich sagen, dass ich gewöhnlich daran interessiert bin, die Szene so, wie ich sie wahrgenommen habe, wieder herzustellen. Dabei arbeite ich viel mit einfachen Kontrasten und wenn nötig auch Farbanpassungen. Dennoch versuche ich so nah wie möglich an dem Original zu bleiben, da ich selber einfach kein Interesse daran habe etwas zu erschaffen, was nicht da war. Eine Szene wieder herzustellen besteht auch daraus, die Gefühle und Emotionen wieder herzustellen und dadurch mit dem Betrachter und dem Bild eine Beziehung aufzubauen. Übersetzt in Photoshop – Sprache, heißt dies, dass ich am häufigsten Lights Masken, Darks Masken, Mittelton Masken mit einer Kombination aus Gradationskurven, Tonwertkorrekturen, Farbton/Sättigung und Farbbalance – Einstellungsebenen verwende, zusammen mit unterschiedlichen Füllmethoden.

 

Bearbeitungsbeispiel mit Tony Kuyper’s Luminosity Masken (Luminanzmasken) Aktionen anhand einer einzelnen RAW Datei.

Schritt 1) Erstellen von Lights und Darks Masken

Hier beginnt endlich der kreative Bearbeitungsprozess. Von diesem Punkt an gibt es kein Richtig oder Falsch mehr. Der im Folgenden aufgezeigte Weg ist für dieses eine Bild gedacht. Andere Bilder können mehr oder weniger Arbeitsschritte beinhalten. Die Darstellung hier dient lediglich als Beispiel, wie ich Bilder angehe und hoffe, damit ein wenig weiterhelfen zu können. Als Beispiel nehme ich ein Bild aus meiner Limited Edition Platinum Serie: “Remember Me“. Nach dem Öffnen des Bildes erstelle ich in der Regel zuerst alle Darks und alle Lights Masken. Diese erscheinen anschließend im Kanälebedienfeld auf der rechten Seite. Um die Masken zu erstellen, benutze ich die entsprechenden Lights und Darks Buttons im Aktionen Bedienfeld der TKActions. Die Bedienung des TKActions Bedienfelds wird ebenfalls in der „Anleitung“ PDF beschrieben. Die Lights bzw. Darks Masken spiegeln die hellen bzw. dunklen Töne im Bild anhand der Masken wider. Dies ermöglicht mir im Laufe der Bearbeitung des Bildes ganz spezielle Bereiche des Bildes anzupassen und andere unberührt zu lassen.

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RAW Bild mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) im Kanälebedienfeld

 

Schritt 2) Erstellen der magischen Mittelton Maske und einer Kurveneinstellungsebene

Mein nächster Schritt ist ein etwas komplexerer Schritt und setzt ein gewisses Grundverständnis von Luminosity Masken (Luminanzmasken) voraus. Es ist aber etwas, das ich häufig gebrauche und als sehr(!) hilfreich empfunden habe in der Entwicklung meiner Bilder. Bei den magischen Mitteltonmasken handelt es sich um sogenannte außermittige Mitteltonmasken (“off-center mid-tone masks”). Diese werden wie folgt erstellt: Wenn man auf die Lights, Light Lights oder irgendeine andere Lights Maske klickt, zeigt Photoshop eine Auswahl der hellsten Pixel im Bild. Bei einem Klick auf die “Lights” Maske gibt Photoshop die 50% der hellsten Pixel des Bildes als helle Auswahl wieder, die “Light Lights” sind 25% aller hellsten Pixel, die “Bright Lights” 12,5% aller hellsten Pixel, die “Super Lights” 6,25% der hellsten Pixel und die “Ultra Lights” nur noch 3,125% der hellsten Pixel im Bild. Wählt man eine dieser Masken aus (MAC: CMD+CTRL + Klick auf Maske) sieht man den Bereich, den Photoshop ausgewählt hat, an der umlaufenden Umrandung. Das gleiche gilt auch für die Darks Masken auf umgekehrte Weise für die dunklen Pixel im Bild. Die Darks Masken sind das exakte Gegenstück zu den Lights Masken. Um nun den Bogen zu schlagen und wieder auf die außermittigen Mitteltöne zurückzukommen, habe ich hier eine Auswahl der Light Lights (25% der hellsten Pixel im Bild) gemacht und die Super Lights (6,25% der hellsten Pixel) davon abgezogen. Dies bedeutet, dass bei einer Anpassung durch eine Einstellungsebene die hellsten Pixel im Bild nicht angepasst werden, sondern so bestehen bleiben, wie sie sind. Die Auswahl der außermittigen Mitteltöne erfolgt über eine Selektion der Light Lights (CMD / CTRL) und einem anschließenden Klick mit CMD + ALT auf die Super Lights.

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Außermittige Mittelton Maske einer Lights Auswahl (Light Lights – Super Lights)

Dadurch habe ich eine sehr enge und spezielle Auswahl erhalten, die nur einen kleinen Teil des Bildes betrifft und die ich nun nutzen kann, um den Kontrast in diesem Bereich mit Hilfe einer Gradationskurveneinstellungsebene entsprechend anzupassen. Der Kontrast kann erhöht werden, in dem man durch eine Lights Maske erhellt oder durch ein Darks Maske verdunkelt. Verglichen mit dem Ausgangsbild wird eine leichte Anpassung der hellen Bereiche des Bildes sichtbar, ohne die hellsten oder dunklen Pixel zu verändern.

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S-Kurvenebeneneinstellung durch eine außermittige Mitteltonmaske

 

Schritt 3) Kontrasterhöhung durch eine Darks Maske

Nachdem ich den Kontrast durch eine außermittige Mitteltonmaske erhöht habe, möchte ich nun noch einmal den Kontrast erhöhen, allerdings durch eine Darks Maske. Das Bild erscheint mir immer noch ein wenig zu “flach” und bedarf weiterer Korrekturen, um die hellen und dunklen Tonwerte stärker darzustellen. Um die bestmögliche Darks Maske für mein Vorhaben zu finden, beginne ich die Masken einzeln durchzuklicken, um die zu finden, die den Bereich am besten darstellt, den ich anpassen möchte. Mit ein bisschen Erfahrung sieht man relativ schnell, welche Maske am besten dafür geeignet ist. Hier habe ich mich für die Shadow Darks (Schatten Darks) entschieden, die mir eine enge Auswahl der 12,5% dunkelsten Töne im Bild gibt. Wie auch im vorhergehenden Schritt, erstelle ich eine Kurveneinstellungsebene aus der Auswahl und eine S-Kurve um die dunkelsten Tonwerte entsprechend anzupassen. So kann ich schnell und einfach den Kontrast in den dunklen Tonwerten erhöhen und nur diesen Bereich verändern und andere Tonwerte unberührt lassen. Der Screenshot unten zeigt wie eng die Selektion der Shadow Darks ist.

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Shadow Darks Einstellungsebene

Der Tonwertunterschied zwischen den helleren und dunkleren Tönen wird stärker, das heißt, der  Kontrast wurde erhöht ohne dabei irgendwelche Pixel zu berühren oder die Qualität des Bilder zu beeinflussen. Durch das Verstärken der Schatten und Lichter hat das Bild plötzlich an Dynamik und Tiefe gewonnen. Alles sieht nach einem guten Start aus, aber noch bin ich nicht fertig. Schon bemerkt, wie sich Dateigröße entwickelt hat? 974MB mit nur zwei Einstellungsebenen und ein paar Masken für die RAW Datei.

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Tonwertkorrektureinstellungsebene mit Shadow Darks Auswahl

Schritt 4) Einstellungsebene für die helleren Töne

Mein nächster Schritt betrifft den weißen, schaumigen Teil des Wassers. Wie man sieht, gibt es bereits einen schönen Kontrast zwischen dem Schaum und dem dunklen Sandstrand. Dieser könnte meiner Ansicht nach ein wenig stärker betont sein, sowie auch der Kontrast des Schaums zum Wasser selbst. Da der Schaum einer der helleren Tonwerte im Bild darstellt, führt mich dies zuerst zu den Lights Masken, um den Kontrast zu erhöhen. Die Bright Lights Auswahl scheint den Schaum vom Rest des Bildes separieren zu können, allerdings fallen auch die Hütte und Teile des Stegs in diesen Tonwertbereich, die ich nicht anpassen möchte. Um dies zu umgehen, erstelle ich zuerst eine Bright Lights Maske mit einer Tonwertkorrektureinstellungsebene und werde anschließend mit schwarzer Farbe über den Bereich malen, den ich nicht anpassen möchte. In diesem Beispiel male ich vorsichtig über die Hütte (nur in der Maske selber, nicht im Bild!). Wie man im Bild unten sehen kann, ist die Hütte fast vollständig schwarz eingefärbt und nur der Schaum des Wassers bleibt hell. Das bedeutet, dass bei einer Anpassung durch die Einstellungsebene auch nur diese (hellen) Pixel betroffen sind.

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Tonwertkorretureinstellungsebene für die Separierung der hellen Tonwerte

Es handelt sich hierbei um eine kleine und auf dem Screenshot kaum wahrnehmbare Anpassung, aber es ist eine dieser Dinge, die den Unterschied machen, wenn das Bild in den Druck geht.

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Tonwertkorrektureinstellungsebene

 

Schritt 5) Lass-es-Leuchten

Eine der Aktionen, die dem Bild einen netten Kick geben können, ist die „Lass-es-Leuchten Aktion“ von Tony Kuyper. Meiner Erfahrung nach funktioniert die Aktion besonders gut mit roten Farbwerten, kann aber genauso gut mit allen anderen funktionieren. In den meisten Fällen, und besonders dann, wenn Rot im Spiel ist, ist mir die Sättigung zu stark und ich setze einfach die Deckkraft der Ebene herunter. Meistens bewege ich mich dabei zwischen 25% – 75%, um die Extreme zu vermeiden. Da dieses Bild nicht sonderlich viel Farbe hat und als RAW Datei schon sehr flach wirkte, belasse ich die Deckkraft hier bei 100%. Das frühe Morgenlicht mit der tiefstehenden Sonne hat ein schönes, gesättigtes Grün auf den Hügeln im Hintergrund erzeugt. Was die Kamera im RAW Format nicht aufnehmen konnte, kann ich nun dank spezieller Anpassungen wieder herstellen, um das Sommer Feeling von einem der schönsten Strände der Welt auf Kauai zurückzuholen. Die „Lass-es-Leuchten Aktion“ wird ausführlicher in dem “Anleitung” PDF beschrieben, sowie in englischer Sprache in dem “Smart Glow” PDF. Kurz gefasst, handelt sich es hierbei um eine Erhöhung des Kontrastes in den Mitteltönen und einem kleinen Schub an Sättigung in Kombination mit Gaußschem Weichzeichner.

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Lass-es-Leuchten Einstellungsebene

 

Schritt 6) Fokussierter Einsatz von Farbanpassungen

„Lass-es-Leuchten“ hat mich bereits einen Schritt nach vorne gebracht, den Dynamikbereich des Bildes zu erhöhen. Trotzdem bin ich noch nicht ganz zufrieden, da ich mit dieser Szene ein noch stärkeres Grün verbinde, wie es auf der Garteninsel Kauai so allgegenwärtig ist. Prinzipiell könnte ich eine einfache Einstellungsebene erstellen und mit dem Pinselwerkzeug über die Teile des Bildes malen, die ich gerne stärker gesättigt sehen würde. Stattdessen gehe ich jedoch zu Tonys Aktionen zurück und mache von einer fokussierten Maske Gebrauch, die wirklich nur die Gebiete auswählt, die auch angepasst werden sollen. Das Aktionenbedienfeld erlaubt es mir, Sättigungs- und / oder Dynamikmasken zu erstellen. In diesem Fall entscheide ich mich für die Dynamikmaske, da diese nur auf die bereits gesättigten Bereiche abzielt. Ich möchte keine Sättigung in Teilen des Bildes haben, die auch im Original nicht gesättigt waren. Bei der Erstellung der Masken habe ich die Möglichkeit mich zwischen der normalen Dynamikmaske und der fokussierten Dynamikmaske zu entscheiden. Da die normale Dynamikmaske mir zu viele Bereiche des Bildes auswählt, entscheide ich mich hier für die fokussierte Dynamikmaske. Der Screenshot unten zeigt die am stärksten gesättigten Bereiche.

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Focused Vibrance Mask Selektion

Um das Grün nur leicht anzupassen, kehre ich mich einem Klick auf Alt+Layer wieder zu dem Farbbild zurück. In dem Eigenschaftenfeld der fokussierten Dynamikmaske nehme ich das Finger Werkzeug, bewege die Hand auf die Farbe, die ich anpassen möchte, und ziehe mit gedrückter Maustaste die Maus nach rechts.

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Benutzerdefinierte Farbanpassung

Auch hier ist der Unterschied nicht riesig, aber er ist da. Hier angekommen, denke ich, dass ich ein realistisches Bild der eigentlichen Szene wieder hergestellt habe. Und nicht nur das, sondern auch die Wärme eines Sommermorgens mit dramatischen Wolken, die über den grünen Bergen im Hintergrund hängen. Wer wäre jetzt nicht gerne an diesem Ort? Hier angekommen ist die Dateigröße bereits bei 1.36GB mit allen Ebenen und Masken.

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Fokussierte Dynamikmaske nach der Anpassung

 

Schritt 7) Schärfen des Bildes

Ein letzter, weiterer Schritt ist notwendig, bevor das Bild veröffentlicht und zum Druck freigegeben wird. RAW Dateien sind nicht nur relativ farblos, wenn sie von der Kamera heruntergeladen werden, sondern auch relativ unscharf. Falls nur Bilder im JPEG Modus aufgenommen und verarbeitet werden (nicht empfohlen) ist dieser Schritt nicht zwingend notwendig, aber bei RAW Dateien ist dies ein wichtiger Schritt des Workflows. Es gibt mehrere Wege das Bild zu schärfen. Der am meisten verbreitete Weg ist das Schärfen durch eine Unscharf Maske. Alternativ kann auch die Smart Schärfen Option aus dem Menü > Filter gewählt werden. Da ich allerdings hier die TK Aktionen zeigen möchte, entscheide ich mich für die „Wolken Schärfen“ Option aus dem Aktionenbedienfeld. Wie der Name schon sagt, ist die Aktion besonders gut geeignet, um Wolken zu schärfen, die in der Regel als sehr weich im Bild erscheinen. Hier würde ich den Wolken gerne etwas mehr Textur verleihen, um die Dramatik mit den Bergen im Hintergrund zu verstärken. Welchen Weg man auch immer für das Schärfen verwendet, ich empfehle dringendst eine neue Ebene zu erstellen, um nicht die Pixel des Bildes zu verändern. Eine neue Ebene des Bildes kann mit CMD+J erstellt werden. Der einzige Nachteil einer weiteren Ebene ist die sich erhöhende Dateigröße. So schnell kommt man auf 1,6GB. Zurück zum „Wolken Schärfen“. Die Aktion hat ganze Arbeit geleistet mit den Wolken, den Bergen, der Hütte und dem Steg. Ein ähnliches Resultat hätte ich mit der Unscharf Maske oder dem Smart Schärfen erreichen können. Allerdings hat die „Wolken Schärfen Aktion“ auch etwas gemacht, was ich eigentlich vermeiden wollte. In den meisten Fällen gefällt mir Wasser am besten, wenn es ein Seidengefühl hat mit implizierter Bewegung durch Langzeitbelichtung. Um die Schärfen Aktion auf bestimmte Bereiche zu begrenzen, erstelle ich einfach eine neue außermittige Mittelton Maske (es kann auch eine leere Maske sein, über die später mit einer Luminosity Maske (Luminanzmaske) oder freihändig gemalt wird) und male mit weiß über die Bereiche die geschärft werden sollen und lasse alle anderen Bereiche unberührt. Wie im Ebenenbereich zu sehen, habe ich mit weißer Farbe über die Berge und den Himmel gemalt, da ich das Schärfen nicht nur auf die Mitteltonwerte reduzieren wollte.

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Wolken Schärfen Aktion mit benutzerdefinierter Mitteltonmaske

 

Schritt 8) Exportieren für das Internet

Abhängig davon, ob man aus Lightroom kommt oder nicht, erscheint das gespeicherte Bild auch automatisch im Lightroom Katalog. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein gut bearbeitetes Bild entweder aus Lightroom oder Photoshop für den Druck freigegeben werden kann (mit Soft Proof vorher!). Wenn die Arbeit im Internet dargestellt werden soll, empfehle ich das Bild wieder in Photoshop zu öffnen und die Aktion Web Schärfen aus dem Aktionenbedienfeld zu gebrauchen. Es macht nochmal einen großen Unterschied zu dem einfachen herunterskalieren aus Lightroom oder Photoshop. Von dort aus kann das Bild mit “Speichern fürs Web” in der gewünschten Größe abgespeichert werden. ACHTUNG: Web Schärfen nicht mit regulärem Schärfen verwechseln. Web Schärfen Bilder sind NICHT für den Druck geeignet. Klicke hier für die deutsche Version des benutzerdefinierten TKAktionen Bedienfeldes für Photoshop. Klicke hier für die englische Version des “Custom TKActions Panels for Photoshop”. Vielen Dank und Gut Licht!

André

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