Luminanzmasken (Luminosity Masks) – Mehrere Belichtungen Überblenden mit TKActions in Deutsch – André Distel Photography

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Mehrere Belichtungen mit Hilfe von Luminosity Masken (Luminanzmasken) überblenden

 

1) Vorwort und Vorbereitungen

Tony Kuyper hat mit den “TKActions” und dem einfachen Erstellen von Luminosity Masken (Luminanzmasken) das Bearbeiten von Bildern für viele Fotografen neu definiert und anderen damit geholfen ein neues Niveau zu erreichen. Meine Arbeiten haben stark von dem Workflow und den Möglichkeiten die sich mit den TKActions ergeben profitiert.

Nachdem ich die Actions nun ein paar Jahre selber erfolgreich eingesetzt habe, haben Tony Kuyper und ich uns dazu entschlossen, die TKActions, Luminanzmaken und dazugehörigen Anleitungen in die deutsche Sprache zu übersetzen. Die deutsche Version des benutzerdefinierten TK Aktionen Bedienfeldes (TKActions Panels) ist exklusiv über meine sowie Tony’s Webseite erhältlich. Tony wird jedoch nicht in der Lage sein Support für deutschsprachige Käufer bzw. das deutschsprachige Panel zu geben.

Diese Anleitung baut auf dem Wissen der Luminosity Masken (Luminanzmasken) Workflow in der Praxis Anleitung auf und setzt ein gewisses Grundverständnis zur Erstellung von benutzerdefinierten Masken, dem Arbeiten mit Ebenen und weiteren Grundtechniken von Photoshop voraus. Einige Leute bezeichnen die Technik des Überblendens mit Luminosity Masken (Luminanzmasken) als “HDR”, andere als “manuelles Blenden” oder “Erweiterung der Dynamikbereiches”. Jeder dieser Begriffe würde zutreffen und ich werde diese Begriffe mit der für mich gleichen in den Anleitungen gebrauchen.

Da die Technik mit Luminanzmasken sehr zeitaufwendig ist und jeder Schritt einer gewissen Perfektion bedarf, wende ich das Überblenden nur bei einigen Bildern an, wenn es die Situation erfordert. Fehler zu korrigieren ist hierbei leider nicht immer so einfach, wie bei dem Bearbeiten einer einzelnen RAW Datei. Der Grund für das Überblenden liegt darin, dass selbst die modernsten Kameras nicht in der Lage sind, den kompletten Dynamikbereich abzubilden. Die meisten haben diese Erfahrung bereits bei dem Versuch gemacht, einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Der Himmel strahlt in einem tollen Orange, aber der Vordergrund ist fast vollständig schwarz. Das Foto hätte sicherlich das Potenzial für eine schöne Silhouette, dies ist aber oftmals nicht das, was gewünscht ist. Man könnte auch versuchen mit nur einer Belichtung zu arbeiten, die Schatten aufzuhellen und den Kontrast mit ein paar Einstellungen zu verbessern. In einem sehr kleinen Bild ist der Unterschied vielleicht sogar gar nicht so groß oder so erkennbar, jedoch ist jede Änderung am Bild dieser Art auch mit Qualitätsverlusten verbunden. Durch das Überblenden mehrerer Belichtungen erhält man die Qualität des Drucks auf dem größtmöglichen Niveau.

2) Lightroom als Ausgangspunkt

Wie immer ist Lightroom mein Ausgangspunkt. Zurzeit setze ich Lightroom 5 ein, das gleiche Vorgehen ist jedoch auf Lightroom 4 übertragbar. Angenommen es gibt drei Belichtungen und jede Belichtung soll einen Teil des finalen Bildes widerspiegeln, so müssen diese markiert und per Rechtsklick “Öffne als Ebenen in Photoshop” ausgeführt werden. In den Beispiel unten habe ich fünf Belichtungen aufgenommen, aber nur drei davon letztendlich verwendet, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Es kommt nur selten vor, dass ich mehr als vier Belichtungen verwende.

3) Ebenen ausrichten

Sobald die Bilder in Photoshop geöffnet wurden, sollte sichergestellt werden, dass die Bilder auch perfekt übereinstimmen. Obwohl ich immer ein Stativ verwende, kann es vorkommen, dass die Bilder nicht 100% übereinanderliegen. Dies ist oftmals bedingt durch Wind, Wasser oder Sand. Um die Bilder richtig auszurichten, müssen alle Ebenen markiert werden und anschließend über das “Menü > Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten” ausgerichtet werden. Der automatische Modus funktioniert in der Regal relativ gut. Sollte dies nicht der Fall sein, so kann man immer noch zurückgehen und die Bilder manuell ausrichten.

Dieser Schritt ist ein enorm wichtiger Schritt, der noch vor allem anderen gemacht werden muss. Beginnt man zuerst mit dem Überblenden der Bilder und stimmen die einzelnen Bereiche dabei nicht perfekt überein, so kommt es zu Überlagerungen, die nicht rückgängig zu machen sind, ohne wieder von vorne mit der Bearbeitung zu beginnen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass mir dies bereits mehrmals passiert ist. Besonders ärgerlich ist es, wenn man bereits ein paar Stunden an einem Bild gearbeitet hat und anschließend in den Bereich des kritischen Blenden kommt, nur um festzustellen, dass man wieder von vorne anfangen muss.

 

Auto-align layers
Ebenen automatisch ausrichten Dialogbox

 

Nachdem alle Bilder aufeinander ausgerichtet sind, werden diese sortiert, um das Überblenden einfacher zu gestalten. Ausgehend vom Bild, beginne ich mit dem dunkelsten oder dem hellsten Bild als oberste Ebene. Eine klare Regel gibt es hier nicht. Üblicherweise ist das Bild, das am ehesten mein finales Bild ausmacht, die oberste Ebene. In diesem Beispiel sortiere ich die Bilder von dunkel nach hell in absteigender Reihenfolge.

 

Sort layers from dark the darkest images to the brightest image
Sortieren der Ebene von dunkel nach hell in absteigender Reihenfolge

 

4) Erstellen einer benutzerdefinierten Maske

Nun beginnt der komplizierte Teil – das Überblenden der einzelnen Bilder. Das dunkelste Bild ist der Ausgangspunkt und es wird zuerst die “normale” (regular) Belichtung eingeblendet. “Normal” oder “Regular” ist hier die Belichtung, die die Kamera als die richtige Belichtung genommen hätte, wäre es nur ein Bild (Matrix Metering). Anstatt eine vordefinierte Maske zu gebrauchen, entscheide ich mich dazu, die Teile des Bildes, welche überblendet werden sollen, selber zu bestimmen und auszuwählen. Da es in dem Bild Bereiche gibt, die sich zwischen den Belichtungen bewegt haben, wie die Palmenblätter, muss ich dies so machen, da das Überblenden nur dann wirklich gut funktioniert. Zuerst wird eine weiße Maske neben dem dunkelsten Bild erstellt und anschließend alle Darks Masken mit Hilfe des TK Aktionen Bedienfeldes. Da dies eine ziemlich dunkles Bild ist, fange ich damit an, die hellen Bereiche des Bildes zuerst zu überblenden. Dazu wähle ich die Super Darks Maske, lasse den entsprechenden Breich auswählen (Mac: CMD+Klick / Windows: STRG+Klick) und kehre diese Auswahl um, um die hellen Tonwerte des Bildes auszuwählen. Mit dem nun ausgewählten Bereich, wird vorsichtig und zu Beginn mit nur geringer Deckkraft mit schwarzer Farbe über den ausgewählten Bereich gemalt. (Hinweis: Es empfiehlt sich lieber mehrere Male über den Bereich mit geringer Deckkraft zu malen, als einmalig mit hoher Deckkraft. Zum einen erfolgt dadurch eine stärkere Kontrolle über die Bearbeitung des Bildes und zum anderen können somit Arbeitsschritte einfacher wieder rückgängig gemacht werden.)

 

Process of brushing in a custom luminosity mask
Das Malen einer benutzerdefinierten Maske

 

Das folgende Bild zeigt das Resultat des Überblendens der ersten beiden Bilder. Für den Anfang gar nicht so schlecht, allerdings ist das Bild noch ein wenig zu dunkel und hat einen zu geringen Kontrast.

 

Blend with two images
Überblenden von zwei der drei Bilder

 

Um ein ausbalanciertes Bild zu bekommen und die Szene wieder so darzustellen, wie sie im Original war, muss ein weiteres Bild überblendet werden. Das letzte Bild wird hauptsächlich den Sand, das Boot sowie die Büsche auf der linken Seite betreffen, also genau die Bereiche, die derzeit noch zu dunkel sind. Der Himmel und das Meer sehen nicht schlecht aus und brauchen nur noch wenig Bearbeitung. Wichtig ist, dass das Bild stimmig wirkt.

Um das dritte und letzte Bild zu überblenden wird eine neue Maske erstellt. Die hellste der drei Belichtungen war ein wenig zu hell für meinen Geschmack, weshalb ich nicht alles überblenden möchte. Eine außermittige Mitteltonmaske hilft mir dabei nur spezielle Bereiche des Bildes auszuwählen und zu überblenden. Um hier die richtige Maske zu finden, bedarf es etwas Experimentierfreudigkeit und Erfahrung. Im Laufe der Zeitwird die Auswahl der Masken einfacher. Über diese Maske wird wieder mit schwarz der Bereich eingefärbt, der von der letzten Maske durchscheinen soll.

 

Blending the last exposure with a custom mask
Das Überblenden der dritten Belichtung mit Hilfe einer Luminosity (Luminanzmasken) Selektion

 

Wie auf dem Screenshot zu erkennen, ist nicht der komplette Vordergrund schwarz. Hier wurde mit geringerer Deckkraft in den hellen Bereiche gemalt, um den Kontrast im Bild zu erhöhen. Das Überblenden an sich ist somit erst einmal abgeschlossen. Ein ähnliches Resultat hätte sicherlich auch mit nur einem Bild erzielt werden können, allerdings verbunden mit starken Kompromissen in der Qualität, dadurch, dass dunkle Bereich heller gemacht werden und ultimativ die Pixel dadurch stark betroffen wären. Durch das Überblenden mehrerer Bilder ist die bestmögliche Qualität erhalten geblieben, ohne starke Anpassungen an dem Bild direkt vorzunehmen.

Nach dem Überblenden erfolgen weitere Schritte mit den regulären Techniken aus dem Tutorial “Luminosity Masken Workflow in der Praxis” sowie dem “Anleitung” PDF.

 

Final blend of three exposures
Resultat des Überblends aller drei Bilder

 

5) Weitere Bearbeitung

Mein erster Gedanke ist Kontrast. Viele meiner Bilder leben von starken Kontrasten sowie einem gewissen pep. Um den Kontrast zu erhöhen, bediene ich mich einer meiner Lieblingstechniken, der außermittigen Mitteltonmaske. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten dies zu tun.Da ich allerdings seit längerem mit dem TK Aktionen Bedienfeld arbeite, wähle ich hier die konventionelle Methode. Ich wähle mit CMD+Klick (Windows: STRG+Klick) die Lights Maske aus. Dies wählt 50% der hellsten Tonwerte im Bild aus. Anschließend subtrahiere ich die Bright Lights mit CMD+Alt+Klick (Windows: STRG+Alt+Klick) (mit dem Cursor erscheint ein “-“ Symbol) und erstelle eine neue Maske, indem ich eine Gradationskurve aus dem Ebenenbedienfeld auswähle. Eine leichte S-Kurve hilft dabei den Kontrast zu erhöhen, indem die hellsten Töne der Maske aufgehellt werden und die dunkelsten Töne der Maske verdunkelt werden.

 

Increasing contrast with a level adjustment layer
Kontrasterhöhung mit Hilfe einer Tonwertkorrektur

 

Im nächsten Schritt mache ich das gleiche mit einer Darks Maske. Ich erstelle eine weitere außermittige Mitteltonmaske und verstärke die hellen Werte stärker als die dunklen Töne. Dies resultiert im ersten Schritt in weniger Kontrast, worum ich mich aber später noch kümmern werde. Nach diesem Schritt ist das Bild immer noch ein wenig zu dunkel.

 

Highlighting the brightest parts of an off-center mid-tone mask
Hervorheben der hellen Tonwerte mit einer außermittigen Mitteltonmaske

 

Nachdem die dunklen Tonwerte etwas heller geworden sind, entscheide mich dazu zuerst die “Lass-es-Leuchten” Aktion zu verwenden um den Bild etwas mehr pep zu geben. Dies funktioniert hier besonders gut, da gelbe und rote Tonwerte im Bild enthalten sind. Da dieser Effekt manchmal etwas zu stark ist, reduziere ich die Deckkraft der Ebene hier auf 85% und male mit schwarzer Farbe über den unteren Bereich der Maske, da ich den Effekt nur im Himmel haben möchte und nicht in anderen Bereichen des Bildes.

Die folgenden zwei Ebenen sind eine Gradationskurveneinstellungsebene sowie eine Tonwertkorrektureinstellungsebene. Letztere verwendet zur Anpassung eine außermittige Mitteltonmaske, jedoch dieses Mal eine sehr breite, um soviele Bereich wie möglich auszuwählen, außer den hellsten und dukelsten Tonwerten im Bild. Eine Verstärkung der hellen und dunklen Tonwerte erhöht nun noch einmal den Kontrast.

 

Final image after all adjustments
Fertiges Bild nach allen Anpassungen

 

Die Gradationskurveneinstellungsebene oberhalb der Tonwertkorrektureinstellungsebene zielt nur auf den Strand und das Boot ab und unterstützt dabei, den Bereich weiter aufzuhellen und den Kontrast in diesen Bereichen zu verstärken.

Das Bild ist nun so, wie ich es mir vorgestellt habe und durch gezielte Anpassungen mit den TK Aktionen und dem Aktionenbedienfeld mit ein wenig Übung auch relativ einfach abzubilden. Als finaler Schritt fehlt nun noch das Schärfen. Um auch hier wieder die TK Aktionen zu gebrauchen, verwende ich die “Wolken Schärfen” Aktion und reduziere die Deckkraft der Ebene anschließend auf 65%, da der Effekt ein wenig zu stark ist.

6) Veröffentlichen fürs Web

Wenn die Arbeit im Internet dargestellt werden soll, empfehle ich das Bild wieder in Photoshop zu öffnen und die Aktion “Web Schärfen” aus dem Aktionenbedienfeld zu gebrauchen. Es macht nochmal einen großen Unterschied zu dem einfachen herunterskalieren aus Lightroom oder Photoshop. Von dort aus kann das Bild mit “Speichern fürs Web” in der gewünschten Größe abgespeichert werden. ACHTUNG: Web Schärfen nicht mit regulärem Schärfen verwechseln. “Web Schärfen” Bilder sind NICHT für den Druck geeignet.

Das Bild “Anini Beach” ist als  Limited Edition Gold 100 Series Print auch direkt über meine Website zu erwerben.

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